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  • ibahabs

#2 Kistenbau

Aktualisiert: 16. Jan. 2023

Nach ausführlicher Recherche hinsichtlich der Möglichkeiten, um mit unseren Motorrädern von Österreich nach Kanada zu reisen, gab es für uns im Januar 2022 schließlich nur noch einen Spediteur, der für uns in Frage kam: In-Time Hamburg. Für den Transport unserer Motorräder bekamen wir drei Optionen angeboten.


Option 1: „Luxus-Variante“: Die Motorräder inkl. Gepäck selbst zum Flughafen bringen und ab dort alles dem Spediteur überlassen.

Option 2: „DIY“: Ein geeignetes Transportbehältnis finden oder selbst bauen. Die Motorräder inkl. Gepäck in diesem Transportbehältnis verstauen. Die Kiste wird dann bei der Haustüre vom Spediteur abgeholt und alles weitere wird von ihm übernommen.

Option 3: „Günstigste Variante“: Im Gegensatz zu den ersten beiden Optionen gehen die Motorräder hier mit dem Schiff (RoRo-Fähre) auf die Reise. Die Motorräder werden ohne Gepäck vor der Haustüre abgeholt und alles weitere übernimmt wieder der Spediteur. Einen fixen Ankunftstermin in Kanada gibt es bei dieser Variante nicht.


Bei allen Optionen müssen die Motorräder selbst beim kanadischen Zoll abgeholt werden. Da eine Abwicklung der Zollformalitäten durch die Spedition aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich ist.


Nach reiflicher Überlegung und vielen Pro-&-Kontra-Listen entschieden wir uns für Option 2. Zuerst versuchten wir eine bereits fertige Transportkiste zu bekommen. Da wir keinen Motorradhändler ausfindig machen konnten, der uns ein altes Transportgestell oder eine Transportkiste zur Verfügung stellen konnte, hieß es für uns bald: Kisten planen und bauen!

Eines ist immer zu bedenken: für den Transport gibt es sowohl für Motorräder als auch für das Gepäck einige Vorschriften, die einzuhalten sind! 1. Im Tank dürfen sich max. 3-4 Liter Benzin befinden. 2. Alles an der Batterie ist abzuklemmen! 3. Es dürfen keine weiteren Flüssigkeiten (zB. Motoröl, etc) separat sich in der Kiste befinden!

Planung:

Im ersten Schritt haben wir unsere Motorräder einmal grob in der Garage abgemessen und versuchten uns gedanklich vorzustellen, wie bzw. wo wir unser Gepäck am besten in der Kiste verstauen würden.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf begannen wir mit unserer Internetrecherche, da wir ja nicht die ersten waren, die eine Kiste bauen wollten. Unser Plan war zuerst, die Kisten so zu bauen, dass wir die Motorräder möglichst ohne jegliche Demontage transportieren können.

Hier stießen wir gleich auf das erste spannende Thema: ISPM 15 (International Standards For Phytosanitary Measures): Dieser Standard regelt, dass Holz, welches für den Transport von Waren verwendet wird, in spezieller Form behandelt sein muss, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Dies galt natürlich auch für unseren Transport! Da ISPM 15 behandeltes Holz nur schwer zu bekommen und vor allem relativ teuer ist, entschieden wir uns für eine Alternative und unsere Kisten vollständig aus OSB-Platten zu bauen (dieses Material fällt nicht unter den Standard).


Beim ersten Entwurf planten wir alle Seitenwände und den Deckel der Kiste gleich wie den Boden aus OSB-Platten zu bauen. Die ersten Berechnungen hinsichtlich des Gewichts überraschten uns sehr schnell. Wir mussten feststellen, dass diese Konstruktion unser Gewichtslimit sprengen würde. Weitere Recherchen später waren wir einiges schlauer: es war auch möglich die OSB-Platten für die Seitenwände und den Deckel durch stabilen Karton zu ersetzen!

Gut, wir wussten nun, dass wir OSB-Platten und Karton benötigten. Doch woher diese nehmen? Auch diese Frage bescherte uns einige Stunden weiterer Internetrecherchen.

Schluss endlich fanden wir heraus, dass es für das Holz nur zwei Möglichkeiten gab: alle Platten selbst besorgen und zuschneiden – oder: finde jemanden, der dies kann! Da alle Baumärkte kaum mehr OSB-Platten anboten bzw. nur noch in Stärken und Längen, welche wir nicht brauchen konnten, war bald klar: es muss jemand anders machen! Anhand unseres Bauplanes erstellten wir eine Schnittliste für das Holz. Bei einem kleinen Holzhändler in der Nähe von Wien konnten wir alles bestellen und auch zuschneiden lassen. Auch den übrig gebliebenen Rest der Platten, welche für den Zuschnitt verwendet wurden, bekamen wir bei der Abholung mit. Da in Wien keine Möglich für uns bestand, die Kisten irgendwo in Ruhe zu bauen und auch dort bis zur Abholung stehen zu lassen, transportierten wir das Holz nach Kärnten und konnten dort in der Garage von Kerstins Schwester alles zusammenbauen. (DANKE nochmal dafür!)

Für alle, die es interessiert oder selbst eine Kiste bauen wollen: hier unsere Erfahrungen mit dem Kistenbau!


Bauplan:

Der Plan war, dass als Bodenplatte eine 2,2 cm starken OSB-Platte fungiert. Auf diese wird ein Gerüst aufgesetzt (ebenfalls komplett aus OSB-Platten) und anschließend wird außen dort der Karton angebracht.

Klingt recht simpel – oder?


Der Bau:

Kurz vor Baubeginn, bekamen wir die Info von unserem Spediteur, dass unsere Kisten lt. Bauplan zu lange für den LKW seien und eine Kiste nicht 240 cm, sondern max. 235 cm lang sein dürfe. Wir entschieden uns die Kiste vorsichtshalber nur 230 cm lang zu bauen und einige Bretter dementsprechend nochmals zu kürzen.


Dies hieß für uns, dass wir entgegen dem ursprünglichen Plan: die Motorräder müssen kleiner werden! Also: die Vorderräder, die neu montierten Handschützer, die Kotflügel, die Windschilder und auch die Lenker mussten abmontiert werden. Auch wenn die Abmessungen unserer Motorräder unterschiedlich sind (die F 700 GS ist um ein paar cm kürzer und der Lenker um ein paar cm schmäler), haben wir beide Kisten mit identischen Abmessungen gebaut.

Um den Boden zu bauen haben wir zunächst drei Balken aus jeweils 5 Stk OSB-Brettern (100 cm lang, 10 cm breit und 1,8 cm dick) gebaut, welche wir mit Schrauben übereinander zusammengeschraubt haben. Die Höhe der Balken hat sich, daraus ergeben, dass ein Gabelstapler oder eine Ameise etwas weniger als 9 cm Platz braucht, um unter die Kiste zu kommen. Diese Balken wurden dann wiederum mit Schrauben an der Bodenplatte fixiert.

Für das Gerüst haben wir zuerst vier Eckpfeiler aus jeweils 3 Stk OSB-Brettern (126 cm lang, 5 cm breit und 1,8 cm dick) gebaut, welche ebenfalls wieder zusammengeschraubt wurden. Diese Pfeiler schraubten wir mit jeweils 0,5 cm Abstand zum Bodenrand an um genügend Platz für den Karton zu lassen. Die vier Eckpfeiler haben wir mit jeweils zwei L-Profilen mit Schrauben an der Bodenplatte befestigt. Weiters haben wir auf der Längsseite ein 1,8 cm OSB-Brett pro Seite als Stütze für die Oberkonstruktion ebenfalls mit einem L-Profil befestigt.

Auf die Eckpfeiler haben wir einen Kranz aus 1,8 cm dicken und 5 cm breiten OSB-Brettern geschraubt. Um das Gerüst noch besser zu stabilisieren, haben auf dem ersten noch einen weiteren Kranz mit 2,2 cm OSB-Brettern befestigt. Die Bretter hierfür schnitten wir uns aus den Resten, die wir von der Tischlerei mitbekommen hatten, selbst mit der Kreissäge zu.

Als zusätzliche Stabilisierung des Gerüstes wurden noch Querstreben aus 1,8 cm OSB-Brettern eingezogen.

Zum Schluss wurden auf diese Holzkonstruktion selbst zugeschnittene Kartonplatten angetackert und für einen zusätzlichen Schutz mit Strechfolie umwickelt.


Ladungssicherung:

Um die Motorräder am Boden fixieren zu können, haben wir sechs Haltepunkte mit D-Ringen angeschraubt. Vier Punkte wurden mit jeweils zwei M8-Schrauben und die hinteren zwei Punkte mit jeweils zwei M6-Schrauben fixiert.


Die Motorradkoffer haben wir mit ein paar alten Spanngurten, welche wir mit 2 Schrauben und Beilagscheiben am Boden fixiert haben, festgezurrt. Den Rest haben wir mit Spanngurten oder Kabelbindern am Motorrad befestigt.

Für den Bau der zwei Kisten und die Demontagearbeiten haben wir ca. 2 Tage gebraucht – inkl. dem nicht geplanten Neuzuschnitt der Kisten durch die Reduzierung der Länge! Da auch das Demontieren der Teile (insbesondere des Vorderrads und der Bremsen) für uns etwas neu war, haben wir sicherlich länger gebraucht. Aber in zwei Tagen ist es absolut zu schaffen, wenn man nicht alle Holzlatten mehr zuschneiden muss!

Was wir jedoch nicht bedacht haben – wenn beim Motorrad das Vorderrad demontiert ist, kann die Kiste auch weniger hoch sein. Unsere Latten mit 126 cm hätten sicherlich mind. 15 cm kürzer sein können!




Teileliste (pro Kiste):

Boden

Bodenplatte: 230 cm x 100 cm x 2,2 cm (1 Stück)

Balken: 100 cm x 10 cm x 1,8 cm (15 Stück – jeweils 5 Stück pro Balken)

Gerüst

Eckpfeiler: 126 cm x 5 cm x 1,8 cm (12 Stück – jeweils 3 pro Pfeiler)

Mittelstütze: 126 cm x 5 cm x 1,8 cm (2 Stück – jeweils ein Stück pro Längsseite)

Oberkonstruktion

Erste Lage (Längsseite): 229 cm x 5 cm x 1,8 cm (2 Stück – jeweils ein Stück pro Längsseite)

Erste Lage (Querseite): 89 cm x 5 cm x 1,8 cm (2 Stück – jeweils ein Stück pro Querseite)

Zweite Lage (Längsseite) 219 cm x 5 cm x 2,2 cm (2 Stück – jeweils ein Stück pro Längsseite)

Zweite Lage (Querseite): 99 cm x 5 cm x 2,2 cm (2 Stück – jeweils ein Stück pro Querseite)


Sonstiges Material

Zweiwelliger Karton: wir hatten 128 cm x 120 cm zugeschnittene Platten – man kann jedoch jeden stabileren Karton verwenden. Wenn man sich Platten zuschneiden lässt: je mehr man unterschiedliche Größen und Stück hat, desto teurer wird es. Also lieber eine Größe bestellen und selbst zuschneiden!

4 Zurrgurthaken groß ,2 Zurrgurthaken klein, Schrauben in verschiedenen Größen, Klammern und Strechfolie.


Werkzeug

Akkuschrauber, Maulschlüssel, Bits, Stanleymesser, Kreissäge mit entsprechendem Sägeblatt für OSB-Platten (hätten wir uns gespart, wenn wir vorher alles richtig gemessen und geplant hätten), Tacker, Hammer, Isolierband, Winkel, Stifte, Maßband.





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